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Rezension: Freud wörtlich

 Dieses Buch enthält Zitate, Maximen, Prophezeiungen, Warnungen, Bonmonts und Witze des Psychoanalytikers Sigmund Freud (1856-1939). Die Zitate wurden ausgewählt von Hannes Etzlstorfer, Peter Nömaier und Inge Scholz-Strasser. Wie die Herausgeber bekunden, zeichnen diese das Profil dieser facettenreichen Persönlichkeit aus.

Untergeordnet sind die Zitate den Oberbegriffen:
Persönliches und Zwischenmenschliches

Wien und die Welt

Gesellschaft und Kultur

Streit und Konflikt

Traum und Illusion

Eros und Sexualität

Wissenschaft und Analyse

Witz und Humoristisches

Vermischtes

Kult und Religion


Dem jeweiligen Kapitel ist stets ein Foto von Freud vorgeschaltet und man erfährt immer im Rahmen kleiner, den jeweiligen Zitaten ebenfalls vorgeschalteter, aufschlussreicher Texte etwas aus dem Leben des großen Kenners unserer Psyche und zwar im Hinblick auf die Sentenzen, die dann folgen.

Mir ist bewusst, dass ich dem Buch nicht gerecht werde, wenn ich zwei oder drei Zitate hervorhebe. Doch anders lässt es sich in einer kurzen Rezension nicht machen.

Im Kapitel "Streit und Konflikt" habe ich eine Sentenz gefunden, die ich hier wiedergeben möchte, weil aus ihr sehr viel Hoffnung spricht. Ich weiß nicht, ob Psychoanalytiker des Hier und Heute diesen Satz aus ihren empirischen Erfahrungen heraus bestätigen können, aber ich finde, man sollte ihn wertfrei wirken lassen, eben dieser Hoffnung wegen, die er beinhaltet:

"Der Mensch ist selten im Ganzen gut oder böse, meist gut in dieser Relation, böse in einer anderen oder gut unter solchen äußeren Bedingungen, unter anderen entschieden böse. Interessant ist die Erfahrung, dass die kindliche Präexistenz starker böser Regungen oft geradezu Bedingung wird für eine besonders deutliche Wendung des Erwachsenen zum Guten. Die stärksten kindlichen Egoisten können die hilfreichsten und aufopferungsfähigsten Bürger werden, die meisten Mitleidsschwärmer, Menschenfreunde, Tierschützer haben sich aus kleinen Sadisten und Tierquälern entwickelt." (Zitat. S.67).

Im Kapitel "Eros und Sexualität" fand ich folgende Zitate, die ich bemerkenswert finde:
"Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben." (Zitat: S.96).

Sollen wir als Konsequenz uns auf die Liebe nicht mehr einlassen? Ich denke nicht, denn auch wenn wir in die Folge einer verlorenen Liebe möglicherweise leiden, sollte das keineswegs zur angsteinflößenden Vermeidungsstrategie führen, denn zumeist gelangen wir durch einen Verlust zu einer neuen seelischen Entwicklungsstufe, die uns demütiger aber auch weiser macht.
"Auf der Höhe eines Liebesverhältnisses bleibt kein Interesse für die Umwelt übrig; das Liebespaar genügt sich selbst, braucht auch nicht das gemeinsame Kind um glücklich zu sein." (Zitat:S.96)

Dies ist ein sehr provokant anmutender Satz von Freud, dem ich aber zustimme, weil ich weiß, dass die erotische Liebe, immer einen höchst egoistischen Aspekt in sich birgt. Dieser führt dazu, dass Menschen ihre Verantwortung nicht selten vergessen, sofern sie bereits einen Partner und Kinder haben. Sie sind wie paralysiert vom neuen Liebesobjekt, verlassen den langjährigen Partner und die Kinder der neuen Liebe wegen. Das geradezu magische Angezogensein vom neuen Liebesobjekt lässt einen Blick nach außen nicht zu, jedenfalls solange nicht bis man sich vom Höhepunkt dieser neuen Liebe wegbewegt hat.

Folgt man Freuds Gedanken, stellt sich in Zeiten der Empfängnisverhütung die Frage, ob der Entschluss, ein gemeinsames Kind zu bekommen, das Ende der Liebesbeziehung einläutet? Ich weiß darauf keine Antwort.

Ein empfehlenswertes Buch.

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