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Rezension:Denken mit Ludwig Marcuse: Über Aufklärung und Abstumpfung, Einsamkeit und Engagement, Macht und Massenkultur, Vergänglichkeit und Vernunft (Broschiert)

Der Publizist und Literaturkritiker Ludwig Marcuse (1894-1971) emigrierte 1933 nach Frankreich und von dort aus 1938 in die USA. Hier war er seit 1940 Professor für Philosophie an der University of Southern California. 1963 kehrte er nach Deutschland zurück und schrieb über zahlreiche Schriftsteller, Philosophen und Musiker, ferner u.a. "Obszön. Geschichte einer Entrüstung".

"Denken mit Ludwig Marcuse" ist im Grunde ein Wörterbuch mit schlagfertigen Definitionen über Aufklärung, Abstumpfung, Kultur, Macht, Freiheit und vieles andere mehr.

Die Züricher Zeitung resümiert, das Marcuse wie nur wenige neben ihm den klaren, aufklärerischen Geist Berlins in der Weimarer Republik, immer geistreich, oft polemisch und feuerköpfig, begeistert oder entrüstet, aber nie fanatisch oder besserwisserisch verkörperte.

Liest man dieses Buch aufmerksam, kommt man zum gleichen Ergebnis. Es ist unmöglich im Rahmen dieser Rezension auf alle Sentenzen dieses Denkers einzugehen, deshalb werde ich mich auf einige beschränken, beginnend mit einem Satz, den ich kommentarlos abnicke, weil ihm wirklich nichts hinzuzufügen ist.

"Intellektuelle sind seltener wohlwollend gegeneinander als Einheimische gegen Gastarbeiter."

In allen Jahrhunderten haben Philosophen über die Freundschaft nachgedacht, vielleicht weil es neben der Liebe das Beste ist, was einem Menschen in seinem Leben widerfahren kann. Marcuse findet eine Erklärung dafür, weshalb die Freundschaft so selten ist, der ich ohne Einwand zustimme. Selten ist sie deshalb, "weil es, unter dem harten Gesetz des Wettbewerbs, Kraftverschwendung ist, im Nebenmenschen etwas anderes zu sehen als einen Konkurrenten oder einen Alliierten. So ist Freundschaft meistens: Spießgesellenschaft."
Marcuse beschreibt eine Realität, die ich sehr bedauere, weil sie uns Menschen so viele positive Möglichkeiten nimmt, wir uns aufgrund unserer Egoismen letztlich des Besten berauben, was wir haben können.

Unter dem Buchstaben F fand ich unter anderem eine kleine Sentenz, deren Inhalt ich für sehr bemerkenswert erachte: "Ein Führer entsteht nur, wenn eine Gefolgschaft bereits da ist."
Wenn diese Annahme zutrifft, ist es noch notwendiger als es ohnehin schon ist, dass jeder Mensch sich aus seiner Unmündigkeit befreit.

Unter den Buchstaben G liest man u. a . "Wer nichts weiß, ist nicht so beschränkt wie der, welcher, eingeschlossen in sein Gedankenkorsett keine Erfahrungen mehr macht."
Nichts ist enervierender als mit zugebretterten, besserwisserischen Möchtegernintellektuellen seine Zeit verbringen zu müssen. Wie angenehm dagegen sind die Stunden mit weltoffenen, weniger gebildeten, intelligenten Menschen, die bereit sind zu einem positiven Dialog.

"Das Gewissen wird umso friedloser, je gewissenhafter einer sich aushorcht."
Das ist der Preis der Selbsterkenntnis, lieber Herr Marcuse.

Sehr lesenswert sind Marcuses Sentenzen zum Glück, die in dem Satz gipfeln "Wer aufs Glücklichsein verzichtet (unter dem Diktator Pflicht), erfüllt sein Dasein nicht. Denn jeder ist - der Anlage nach - eine neue Variante des Glücks."

Der preußische Protestantismus machte den Verzicht auf Glücklichsein erforderlich. Die Ergebnisse werden durch die geschichtliche Entwicklung in unserem Land überdeutlich demonstriert.

Unter dem Buchstaben P findet man Marcuses Gedanken zur Politik und Moral. "Es ist unmoralisch, Politik immer dann moralisch zu werten, wenn es einem gerade so passt. Und es ist unmoralisch, nicht zu sehen, dass ein Element der Politik immer Macht sein wird. Auch im Paradies, soweit sich darin Menschen befinden.
Die Revolutionen scheitern nie daran, dass ihre Ziele nicht gut waren, sondern daran, dass die Revolutionäre sich nicht vor der Macht fürchteten. Nicht -Fürchten meint hier: über der Leichtigkeit der Eroberung die problematische Herrschaft zu übersehen, die dem Sieg über die Herren folgen muss."
Sartre beschreibt in seinem Stück "Die schmutzigen Hände" das Phänomen. Die Ideale bzw. Ziele werden von Revolutionären am Ende stets in den Hintergrund gerückt, weil sie von der Macht korrumpiert werden. Machtgeilheit ist meines Erachtens immer ein Persönlichkeitsdefizit und immer der falsche Weg mit dem Instrument der Herrschaft konstruktiv umzugehen.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.


Rezension:Freiheit von Gewalt und Lüge. Gedanken über Aufklärung, Fortschritt, Kunst, Liebe, Müßiggang und Politik (Taschenbuch)

Der russische Schriftsteller Anton Parlowitsch Chechov ( 1860-1904) lebte seit 1898, an Tuberkulose erkrankt, in Süd-Russland und in westeuropäischen Kurorten. In seinen Werken setzte er sich durch die Analyse menschlichen Verhaltens und sozialer Missstände die Tradition des kritischen Realismus fort, andererseits war er durch die subtile Darstellung und Deutung seelischer Zustände und nuancierter Stimmungen dem europäischen Impressionismus und Symbolismus verbunden.Er schilderte besonders die Welt des damals neu entstehenden russischen Kleinbürgertums, der Intelligenz und des sich auflösenden Gutsadels.

" Freiheit von Gewalt und Lüge " enthält Gedanken Chechovs zur Armut, Aufklärung, kurze Betrachtungen im Hinblick auf namhafte Schriftsteller, Sentenzen über das Leben, Gedanken über die Liebe, die Lüge , über Sündenböcke , die Zensur und anderes mehr.

Um mehr vom Wesen Chechovs zu erfahren, habe ich zunächst seine kurzen Betrachtungen bezüglich seiner Schriftstellerkollegen gelesen. Aus allen seinen Zeilen spricht Fairness, niemals üble Nachrede, niemals Neid und Missgunst. Chechov war demnach ein Mensch, der anderen mit Respekt begegnete. Das nimmt mich für ihn als Person ein.

Bei einigen Autoren, wie bei etwa bei Gogol, ist er des Lobes voll. Über Nietzsche sagt er, er würde ihn gern einmal irgendwo im Zugabteil oder auf dem Dampfer begegnen und eine ganze Nacht mit ihm reden. Er hielt seine Philosophie für kurzlebig, allerdings für weniger überzeugend als bravourös. Seine feine Kritik ist nicht nur bei Nietzsches Werken in Watte verpackt. Chechov war kein Mann der mit dem Hammer draufschlug. Es drängte ihn nicht nach dem Gesichtsverlust seines Gegenübers. Das hatte er nicht nötig. Chechov besaß Persönlichkeit und Größe.

Am Tag als Zola starb schreibt er "Heute bin ich traurig. Zola ist gestorben. Das kam so unerwartet und irgendwie ungelegen. Als Schriftsteller habe ich ihn wenig gemocht, aber dafür als Menschen in den letzten Jahren, als die Affäre Dreyfus Wellen schlug, habe ich ihn hochgeschätzt."

Gefallen haben mir seine Miniaturgeschichten, in denen er das aberwitzige Verhalten einzelner Menschen mit knappen Worten auf den Punkt bringt und die ihn als begnadeten Schriftsteller ausweisen.

" Briefwechsel. Ein junger Mann träumt davon, sich der Literatur zu widmen, schreibt ständig darüber seinem Vater, quittiert schließlich den Dienst, fährt nach Petersburg und widmet sich der Literatur - er wird Zensor."

Wie müssen Menschen gestrickt sein, die anderen den Maulkorb verpassen wollen?

"Ein junger Mann hatte eine Million beisammen, legte sich darauf und erschoss sich."

Wer glaubt, dass dieser junge Mann, den Wert des Geldes nicht schätzte, irrt sich meines Erachtens. Eine solche Tat begeht nur, wer dem Geld zu viel Wert beimisst.

Unmöglich zu allen Gedanken im Rahmen der Rezension Stellung zu nehmen. Von den im Buch angeführten Sentenzen hat mich nachstehende am meisten berührt: "Die Blattlaus frisst Pflanzen, der Rost Metalle und die Lüge die Seele auf. " Gut beobachtet.



Rezension: Denken mit Johann Wolfgang von Goethe. (Taschenbuch)


" Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre der möglich ohne Liebe? ( Goethe),

"Denken mit Johann Wolfgang von Goethe" um fasst ein Vielzahl von Gedanken und Aussprüchen des Dichters zum Thema: Welt, Leben, Menschen, Erziehung, Frauen, Liebe, Glück, Charakter, Kunst, Poesie, Geschichte und Philosophie. Wer hofft, aufgrund dieser Sentenzen Goethe vollständig kennenzulernen zu können, erwartet zu viel. Man lernt Goethe übrigens auch dann nicht vollständig kennen, wenn man all seine Werke gelesen hat. Soviel nur.


Dennoch ist es lohnenswert sich in das Büchlein zu vertiefen, denn Goethe besaß einen besonders tiefen Blick und breitgefächerte Erkenntnisse, die ihn zu einem klugen Mann werden ließen, auch wenn er bis ins hohe Alte spielte, primär mit Worten spielte. Vielleicht darf man nicht aufhören zu spielen, um klug zu werden und vielleicht übt man sich am besten in Herzensbildung, wenn man mit anderen fair spielt. Wer spielt öffnet sich nicht nur gegenüber der Kreativität, sondern zeigt auch Bereitschaft zu lernen. Lernen ist die Grundvoraussetzung um klug zu werden.


Goethe bekämpfte seine Höhenangst damit, dass er als Student trotzdem immer wieder das Straßburger Münster emporstieg. Die Therapie, die er sich verordnet hatte, funktionierte. Offenbar war Goethe davon überzeugt , dass man die Psyche generell überlisten kann, denn er schreibt:" Seelenleiden, in die wir durch Unglück oder eigene Fehler geraten, sie zu heilen, vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig, die Zeit viel, entschlossene Tätigkeit hingegen alles. " Prof. Holm-Hadulla, dessen Psychobiographie über Goethe ich gerade gelesen und rezensiert habe, dokumentiert in seiner Analyse, dass diese Vorgehensweise Goethes Werke hervorgebracht haben. Die Leiden an Lotte überwandt er beispielweise durch sein entschlossenes Schaffen am " Werther ".


Goethe bekam fast alle seine Seelenleiden auf diese Weise in den Griff. Er kannte sich und wusste wie er vorgehen muss. Psychotherapeuten hätten kein Geld an ihm verdient. Er therapierte sich selbst. Gestern habe ich die jetzt folgende Sentenz in die Kopfzeile der Rezension zur Psychobiographie über Goethe gewählt: " Die reinste Freude, die man an einer geliebten Person finden kann, ist die, zu sehen, dass sie andere erfreut." Dieser Satz dokumentiert Herzensbildung. Hier zeigt sich ein Mensch, der frei von Eifersucht, Besitzgebaren etc. zu sein scheint. Hier zeigt sich ein Mensch, der begreift, dass das Schönste, was Menschen sich schenken können, Freude ist, ausgelöst vielleicht durch ein Lächeln, ein liebes Wort, eine bejahende Geste.
Goethe weiß: " Unter allen Besitzungen auf Erden ist ein eigen Herz die kostbarste, und unter Tausenden haben sie kaum zwei." Wir sollten uns alle bemühen, dass aus den zweien viele werden.

Hervorheben möchte ich noch folgenden Gedanken: " Die wahre Poesie kündigt sich dadurch an, dass sie, als ein weltliches Evangelium, durch innere Heiterkeit, durch äußeres Behagen, uns von den irdischen Lasten zu befreien weiß, die auf uns drücken. Wie ein Luftballon hebt sie uns mit dem Ballast, der uns anhängt, in höhere Regionen und lässt die verwirrten Irrgänge der Erde in Vogelperspektive vor uns entwickelt da liegen. Die muntersten wie die ernsteren Werke haben den gleichen Zweck, durch eine glückliche geistreiche Darstellung so Lust als Schmerz zu mäßigen. "



Rezension: Sudelbücher (Gebundene Ausgabe) -Lichtenberg

Für deutsche Literatur ist durch die "Sudelbücher" aus dem Nachlass Lichtenbergs der Beginn der Aphoristik gegeben. Bei diesen Notizenfolgen handelt es sich keineswegs um Aphorismen von jener genauen klassischen Form, wie sie die französische Literratur damals schon als Tradition aufzuweisen vermochte.

Lichtenberg, diaristisch verfahrend, sammelte Einfälle, Vermutungen, Fragen, Feststellungen, Einwände und witzige Apercus, so dass eine Materialsammlung zu einem einfachen Denkbuch entstanden ist oder auch Vorstudien zu einem geplanten größeren Werk gefunden werden könnten, in welchem auch wichtige Zitate, die zum Weiterdenken anleiten, ihren Platz hätten haben sollen. Demnach liegt bei Lichtenberg eine ungeordnete Sammlung von Bruchstücken vor, wobei sich thematisch die Analogie eher zu den Essais von Montaigne, formal vor allem zu den Penées von Pascal herstellt.

Man findet weniger Abgrenzung bei Lichtenberg als vielmehr zahllose Beobachtungen oft skurriler Natur, ironische Vergleiche, sarkasitische Entlarvungen, gleichwohl selten Grundsätze, Maximen und Definitionen. Es dominiert die Selbstbeobachtung. Diese drängt die der Welt und Gesellschaft deutlich zurück. Denn diese Sonderform der Aphoristik entstammt der Einsamkeit, keineswegs dem anregenden Klima der Salons, der Gesellschaft und ihrer geistreichen Konversation. Den Aphorismen fehlt es keineswegs an Witz und Kürze, an Ansätzen zur genauen Gliederung, aber da die Notizen nicht mehr durchgearbeitet wurden, befinden sie sich gewissermaßen im Rohzustand.

Drei Beispiele für Lichtenbergs Klugheit Sachverhalte mit knappen Worten auf den Punkt zu bringen:

"Ich bin überzeugt, man liebt sich nicht bloß in andern, sondern hasst sich auch in andern."

"Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten."

"Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gerne für die Religion fechten, und so ungerne nach ihren Vorschriften leben?"

Rezension:1000 Küsse (Gebundene Ausgabe)


"Die Verliebtheit zeigt dem Menschen, wie er immer sein müsste." (Anton Cechow),

Dieses schöne Buch beeinhaltet 200 Zitate der Weltliteratur, die sich mit der Liebe und hier vor allem mit ihren körperlichen Ausdrucksformen, den Umarmungen und dem Küssen befassen. Die Zitate korrespondieren vortrefflich mit den 200 Kunstwerken, die im Buch abgelichtet sind. Die Aufnahmen sind von guter Qualität. Der Name des jeweiligen Künstlers wird ebenso genannt, wie der Name des einzelnen Werkes, das Entstehungsjahr und die Orte, wo man die Originale derzeit in Augenschein nehmen kann.

Gleich zu Beginn lernt man das Detail einer Vase kennen, die zwischen 330-40 v. Chr. angefertigt worden ist. Das Motiv ist erotischer Natur. Der Abbildung ist ein Zitat Heinrich von Kleists beigegeben: "Auch der Olymp ist öde ohne Liebe". Wie recht Kleist doch hat.

Blättert man weiter, gelangt man u.a. zu Ablichtungen von Gemäldeausschnitten von Hieronymus Bosch, erfreulicher Weise auch zu solchen aus "Der Garten der Lüste". Sehr schön ist in diesem Zusammenhang ein Zitat Percy Bysshe Shelleys "In der ruhigen und süßen Dunkelheit treffen sich die Seelen auf den Lippen der Geliebten."

Francis Picacias "Liebespaar" habe ich zunächst für ein Werk Chagalls gehalten. Diesem Werk ist ein Zitat Oscar Wilde angefügt: "Wer liebt, denkt nicht und wer denkt, liebt nicht." Es ist wahr, ein Mensch, der liebt, lässt sich von seinem Gefühl leiten und handelt nicht selten jenseits aller Vernunft. Möglicherweise sind aus diesem Grunde junge Menschen zu weitaus intensiverer Liebe fähig. Je mehr der Kopf die Oberhand über einen Menschen gewinnt, desto kühler agiert er, bis am Ende nur noch Berechnung bleibt. Grund genug sich innere Jugend zu bewahren. Sie ist der Schlüssel dafür, bis zum Ende seiner Tage zu lieben.

Ein wirklich gelunges Buch.

Rezension: Maximen und Reflexionen (Gebundene Ausgabe)

Goethes "Maximen und Reflexionen" sind von geradezu beispielloser Gelassenheit gekennzeichnet. So tritt das bescheidene, nur zu oft dem Understatement zugeneigte und manchmal auch gerade wieder provozierende Genre in seiner manchmal programmatischen Unscheinbarkeit an der Stelle der vom so genannten hohen Stil bestimmten Formen der Unterweisung und die offenbar diskursive, jedoch in diesem Fall nicht erklärende und argumentierende Prosa an die Stelle des kunstvollen Epigramms. Genau in dem Maße, in dem diese Form gewonnen wird, löst sich der Aphorismus auch aus der didaktischen Tradition der Lehrprosa und des Katechismus.



Der Aphorismus mutet in sich geschlossen und sogar vollendet an, zumindest in einem formalen Sinne, selbst wenn seine jeweiligen Einzelstücke Glieder einer unsichtbaren und fortzuführenden Kette genannt werden können, Versuche Fremdes zu erfassen, Vorgegebenes aufzunehmen und zu verändern, Bekanntes antizipierend abzuschließen. Man sollte sich meines Erachtens darüber bewusst werden, dass im Aphorismus keine Resultate vorgelegt, sondern Einsichten vermittelt und Anstöße zum Stutzen und Weiterdenken, mehr noch : die Teilnahme an einem Denkprozess, welcher eigentlich Gesprächscharakter besitzt.



Die "Maximen und Reflexionen" sind aus verschiedenen Werken Goethes entnommen und diesen im Einzelnen erkennbar zugeordnet. Ich bin immer wieder überrascht von der Lebensklugheit dieses Mannes. Sie ist einzigartig.



In seiner 395. Reflexion sagt er: " Was Freunde mit und für und thun, ist auch ein Erlebtes; denn es stärkt und fördert unsere Persönlichkeit. Was Feinde gegen uns unternehmen, erleben wir nicht, wie erfahren`s nur, lehnen`s ab und schützen uns dagegen wie gegen Frost, Sturm und Regen und Schlossenwetter oder sonst äußere Übel, die zu erwarten sind." Kann man ihm da widersprechen?



Eine meiner Lieblingsreflexionen ist die Reflexion 847 "Mit jemand leben oder in jemand leben ist ein großer Unterschied. Es gibt Menschen, in denen man leben kann, ohne mit ihnen zu leben, und umgekehrt. Beides zu verbinden ist nur der reinsten Liebe und Freundschaft möglich." Wie wahr, deshalb auch ist nichts wertvoller im Leben als reine Liebe und Freundschaft.



Sehr wichtig erscheinen mir die Sentenzen 875 und 876.

"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zu Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen." "Die wahre Liberalität ist Anerkennung."



Goethe war ein guter Beobachter, dies kommt nicht zuletzt in nachstehendem Gedanken zum Ausdruck. " 917. Das Leben vieler Menschen besteht aus Klatschigkeit, Tägigkeiten, Intrigue zu momentaner Wirkung." Schade, dass dies so ist, nicht wahr? Gibt es nicht kreativere Möglichkeiten seine Lebenszeit auszufüllen?



Ich stimme Goethe ganz besonders in folgender Reflexion zu:

" 982. Der pedantische Purismus ist ein absurdes Ablehnen weiterer Ausbreitung des Sinnes und Geistes. (Z.B. das englische Wort grief)."



Rezension: Denken mit Mahatma Gandhi (Broschiert)

  Denken mit Mahatma Gandhi " berichtet im Vorwort über das Leben und Denken des Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung, der am 2.10 1869 in Porbandar geboren und am 30. Januar 1948 in Delhi ermordet wurde.

Gandhi entstammte einer wohlhabenden Hindufamilie, war Rechtsanwalt in Bombay, ging 1893 aus beruflichen Gründen nach Südafrika und stieg dort zum Führer der indischen Einwanderer auf. 1906- 13 leitete er in Transval eine Kampagne für die Anerkennung der bürgerlichen Rechte seiner Landleute.
Unter dem Einfluss der altindischen Lehre des " Ashima " (des Nichtverletztens), der christlichen Bergpredigt und der Ideen Tolstois entwickelte Gandhi Formen des gewaltlosen Kampfes und beeinflusste den Pazifismus nachhaltig. 1914 kehrte er nach Indien zurück, wo er der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung wurde.

Wie man dem Buch entnehmen kann, war es Ghandis Verdienst eines der Gebote der ältesten indischen Ethik- Lebewesen nicht zu schädigen und damit gewaltlos zu sein- auf das politische Leben anzuwenden.
Voraussetzung dafür ist " Satyagraha " (Sich- an- die - Wahrheit- Halten). Für Gandhi ist die Wahrheit das Herz aller Dinge - identisch mit Gott. Dies ist die Ursache weshalb Wahrheit mächtiger ist als jede Macht der Welt. Der Gedanke, der dahinter steht ist der, dass derjenige der mit der Wahrheit im Bunde ist mit Gott im Bunde.

Gandhis Gewaltlosigkeit hat nichts mit Passivität zu tun. Gandhi lehnte den Begriff " passiver Widerstand " ab. Der passive Widerständler lehnt Gewalt nämlich nicht prinzipiell ab, während Ghandis gewaltloser Widerstand dies aber tut. Bei " Ashima " wird nicht Gewalt gegen Gewalt gesetzt, sondern die Gewalt der Gewaltsamen durch den Widerstand der Gewaltlosen um ihre Wirkung gebracht. Was kann Gewalt erreichen gegen Menschen, die sich durch nichts erschüttern lassen, weil sie nichts mehr fürchten? Der Widerstand, der sich auf die Macht der Wahrheit begründet, setzt die Bereitschaft zu Leiden voraus und letztlich auch den Mut zu leiden. Diesen Weg ging Gandhi.

Das vorliegende Büchlein enthält eine Reihe sehr interessanter Texte Gandhis, die sich mit der Wahrheit auseinandersetzen und deren Wirkung dokumentieren. Ghandi reflektiert Wege zu Wahrheit, schreibt über den Sinn des Fastens und über den gewaltlosen Widerstand, reflektiert die Notwendigkeit von Charakterstärke, die Kraft des Geistes und die des Vergebens und der Toleranz. " Wahrheit wohnt in jedem menschlichen Herzen und man muss hier nach ihr suchen und sich von der Wahrheit leiten lassen, wie man sie sieht. Doch niemand hat das Recht, andere zu zwingen, nach seiner eigenen Wahrheitssicht zu handeln." (Zitat Gandhi)


Empfehlenswert, gerade in Zeiten, in denen die Gewalt durch Handlungen und Bilder in jeder Beziehung verherrlicht wird.


Rezension: Denken mit Friedrich Schiller

Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 in Marbach geboren. Er starb am 9.Mai 1805 in Weimar. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass Schiller Deutschlands Ersatz für eine bürgerliche Revolution war. Diesen Satz fand ich bemerkenswert. Schiller zählte zu den wenigen Deutschen, die die französische Republik nach der Revolution zu ihren Ehrenbürgern gemacht hat. Zum Hausdichter des liberalen deutschen Bürgertums wurde er, weil er sein revolutionäres Freiheitspathos mit Erbaulichkeit und Theatralik zu verbinden verstand.
Ende dieses Jahres feiern wir den 250. Geburtstag Schillers. Grund genug sich mit seinen Texten näher zu befassen.

Zum Einstieg eignet sich " Denken mit Friedrich Schiller " bestens, hier findet man, wie der Klappentext bekundet eine Auswahl aus Schillers schönsten und wertvollsten Gedanken, die - über die Dichtungen hinaus - das Geheimnis eines starken , positiven , zukunftorientierten Herzens dokumentieren. Die Sprache des Dichters zeichnet sich durch kraftvolle Anschaulichkeit, durch Kühnheit Bilder und durch Prägnanz der Formulierung aus.

Folgende Zitate veranschaulichen, dass die ausgewählten Gedanken halten, was der Klappentext verspricht.

" Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuss verschafft. Der höchste Genuss aber ist die Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Spiel aller seiner Kräfte."

Ein nicht einfaches Unterfangen für einen Künstler, denn er muss demnach durch seine Werke den Betrachter, Leser oder Zuhörer bilden und ihn von inneren Zwängen befreien. Er muss ihn zu seinem wahren Selbst führen, damit er sich frei entfalten kann.

Mit der knappen Sentenz " Ohne die Liebe kann keine poetische Tätigkeit bestehen " lüftet Schiller ein Geheimnis: Poesie bedarf der Liebe. Schiller besaß diese Liebe im Übermaß und huldigte ihr in wundervollen Versen, nicht zuletzt in seinem Gedicht: " An die Freude ".

Schiller ist davon überzeugt, dass Poeten und Dichter sich über die Wirklichkeit erheben und innerhalb der Sinnlichkeit stehen bleiben müssen. Die Verbindung von beidem nennt er ästhetische Kunst. Schiller weiß, dass der Realismus keinen Poeten machen kann und der tragische Dichter den gemischten Charakteren den Vorzug gibt. Das Ideal seines Helden liegt in gleicher Entfernung zwischen dem ganz Verwerflichen und dem Vollkommenen. Schiller idealisiert damit die Mitte, den Ausgleich, wenn man so will, aber keineswegs das Mittelmaß.

Schillers Gedanke über die Seele, die Liebe und die Freude haben mich am meisten berührt.
Er stellt fest, dass das Ideal der Natur in der schönen Seele liegt und macht begreifbar, dass die Seele nur dann schön sein kann, wenn Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmonieren.

Beinahe fernöstlich liest sich folgende Sentenz: " Das Höchste, wonach der Mensch zu ringen hat: frei von Leidenschaft zu sein, immer klar, immer ruhig um sich und in sich zu schauen, überall mehr Zufall als Schicksal zu finden und mehr über Ungereimtes zu lachen als über Bosheit zu zürnen oder zu weinen. "

Ein kluger Psychologe spricht aus folgender Sentenz: " Wenn ich hasse, so nehme ich mir etwas; wenn ich liebe, so werde ich um das reicher, was ich liebe: Verzeihung ist das Wiederfinden eines veräußerten Eigentums - Menschenhass ein verlängerter Selbstmord, Egoismus ist die höchste Armut eines erschaffenen Wesens."

" Egoismus ist die höchste Armut eines erschaffenen Wesens." Schade, dass diese Erkenntnis nur wenige Menschen besitzen und es offenbar so schwer fällt sich der Liebe und Freude zu öffnen.


Schiller lässt seine Leser wissen, dass man nur durch die Liebe blühen kann, denn die Liebe ist das große unfehlbare Band der empfindenden Schöpfung, so der Dichter. " Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte, so besäße jeder die ganze Welt. "

Welch wunderbare Gedanken eines positiven , starken Herzens.

Denken mit Oscar Wilde

Langeweile ist eine Sünde, für die es keine Absolution gibt." (Oscar Wilde)
Das vorliegende Buch enthält Aphorismen, Sentenzen, Bonmots, aber auch einige Gleichnisse des englischen Erzählers und Dramatikers Oscar Wilde (1854-1900) .

Der in Irland geborene Schriftsteller lebte ab 1879 in London, wo er durch seine extravagante Lebensführung bekannt wurde; 1895 wurde er wegen Homosexualität zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Reading verbüßte. Wie Wolfgang Kraus im Vorwort unmissverständlich zum Ausdruck bringt, wurde Wilde nicht durch seinen Freund Lord Alfred Douglas ins Unglück gestürzt, sondern durch jene Figuren , die von den Todfeinden des erfolgreichen Dichters auf die Zeugenbank gestellt wurden.

Wilde war der bedeutendste Vertreter des Ästhetizismus in England. In diesem Sinn versucht der Held seines Romans " Das Bildnis des Dorian Gray " sein Leben als Kunstwerk zu gestalten, scheitert aber an seinem Gewissen. In Wildes Märchen werden die gesellschaftlichen Missstände romantisch verklärt und zugleich sozialkritisch enthüllt. Seine erfolgreichen Gesellschaftslustspiele leben vom geschliffenen Dialog und geistreichen Witz. Die Tragödie " Salomé " auf die Kraus auch zu sprechen kommt, vertonte Richard Strauss 1905.

Diverse Bonmots im Buch sind sicher nicht nur Wilde-Lesern bekannt, so etwas gleich zu Beginn der Satz: " Mir sind Menschen lieber als Prinzipien, und Menschen ohne Prinzipien das liebste auf der Welt. " Wilde schätzte demnach Freigeister, Menschen, die so waren wie er selbst. Viele hat er im viktorianischen England davon damals nicht gefunden.

Es spricht für Wildes psychologisches Einfühlungsvermögen, dass er im Ehrgeiz die Wurzel aller Hässlichkeit ausmacht und erkennt, dass selbst der Mutigste unter uns Angst hat - Angst vor sich selbst. Er nimmt vieles von dem, was Psychologen später sagen, vorweg, so auch wenn er konstatiert, dass wir für unsere Entsagung büßen. Er weiß, dass jeder Trieb, den wir unterdrücken, in unserem Inneren weiter keimt und Gift ist. Er folgert, dass immer dann, wenn der Körper sündigt, er durch das Sündigen gereinigt wird, weil Tat immer Reinigung ist. Zurück bleibt, so der Analytiker Wilde, nur Erinnerung an der Lust und die Wollust der Reue.

Der Gedanke, dass Reue durch das Gefühl der Wollust besetzt sein kann, wurde sicher zu seinen Lebzeiten als Blasphemie betrachtet.

Wilde ist ein bewusster Individualist, der erkannt hat, dass die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft von der Entwicklung des einzelnen abhängt." Wo man die individuelle Entwicklung aufgegeben hat, senkt sich das geistige Allgemeinniveau sofort. " Dieser Erkenntnis stimme ich ohne Einschränkung zu.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel untergliedert. Die Gedanken aus dem Kapitel " Magie der Schönheit " zeigen, dass Wilde am meisten von der Schönheit und der Jugend inspiriert wurde.

Für ihn steht fest, dass in uns ein Sinn für Schönheit lebt und zwar von den anderen Sinnen getrennt und über ihnen schwebend, getrennt von der Vernunft und edler als sie, getrennt von der Seele und an Wert ihr gleich. Denkt man an den " Goldenen Schnitt" wie auch das harmonische Quadrat, so erhält man eine Idee von der Schönheit der Zahlen. Auf Zahlen lässt sich alles zurückführen und sie bilden die Grundvoraussetzung so genannter Sphärenmusik. Möglichweise dachte Wilde genau daran als er zur Erkenntnis kam, dass der Sinn für Schönheit über allen anderen Sinnen schwebt. Aber Wilde geht noch einen Schritt weiter und kommt zum Ergebnis, dass das Höchste, was wir erlangen können, darin besteht Schönheit zu begreifen. Dies sehe ich ganz ähnlich, weil eine solche Erkenntnis demütig und friedfertig macht. Schönheit findet ihren Ausdruck in Harmonie und führt insofern fast immer zur Freude, wenn man sich ihr vorbehaltlos öffnet.

Man liest von Wildes Liebe zu den Griechen, insbesondere zu deren feinem künstlerischen Instinkt. In der Folge sind Betrachtung über die Kunst ein großes Thema für ihn. Sehr bemerkenswert finde ich seinen Gedanken, dass Kunst Leidenschaft sei, weil in ihrem Bereich die Empfindung den Gedanken, der sich fester Bestimmung entzieht, färbt. " Hier herrschen die zarten Stimmungen kostbarer Augenblicke und nicht die Strenge wissenschaftlicher Formeln oder der Zwang theologischer Dogmatik. Die Kunst spricht von Seele zu Seele" ....und an anderer Stelle weiter: " Betrachtet ein Mensch das Leben vom künstlerischen Standpunkt, so hat er das Gehirn im Herzen. "

Mich berührt am meisten, wie sehr dieser brillante Kopf immer wieder die Psyche in alle Betrachtungen mit einbezieht. " Wollen wir unser Temperament bilden, müssen wir uns an die Künste halten, die uns berühren, nicht an Künste, die bloß belehren."

Seine Überlegungen zur Liebe, haben mich lange innehalten lassen. Von allen Sentenzen zu diesem Thema haben mich folgende am meisten gefesselt: " Das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes " und schließlich nachstehendes gedankliches Vermächtnis Wildes mit, welchem ich diese Rezension abschließen möchte:
" Liebe ist besser als Weisheit. "








Rezension: Denken mit Friedrich Nietzsche

Begehren heißt, sich verloren haben." ( Nietzsche),
ken mit Friedrich Nietzsche " hat dazu geführt, dass ich meine Einstellung zu diesem Philosophen relativiert habe. Fast glaube ich bislang den üblichen Vorurteilen unterlegen zu sein, deshalb wohl werde ich mich jetzt intensiver mit diesem Herren auseinandersetzten.



Wer war Friedrich Nietzsche?



Die einleitenden Seiten geben darüber Auskunft.



Ich möchte diese kurz zusammenfassen, um anschließend auf den Inhalt des " Nietzsche- -Breviers " einzugehen, wobei die angebotene Fülle unterschiedlicher gedanklicher Sentenzen es notwenig macht sich auf einige wenige zu fokussieren.



Friedrich Nietzsche ( 1844-1900) war zunächst Professor für klassische Philologie in Basel und lebte dann in Schweiz und in Italien. Von großer Bedeutung für Nietzsche waren seine Bekanntschaften mit Lou Andreas -Salome, J. Burckhardt, F. Overbeck, P. Gast sowie besonders mit Richard Wagner, die später jedoch in eine Gegnerschaft umschlug. Die letzten elf Jahre - seit seinem Zusammenbruch in Turin 1889- verbrachte Nietzsche in geistiger Umnachtung in Naumburg und in Weimar.



In " Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik " vertrat er eine antiklassische, tragische, pessimistische Auffassung des Griechentums. In den vier " Unzeitgemäßen Betrachtungen " rechnete er mit dem bürgerlichen Bildungsbegriff und dem Historismus seines Zeitalters ab. Von Schopenhauer übernahm er die Idee vom Willen als übersinnliches Prinzip der Welt und trat für den Vorrang des Lebens vor dem Bewusstsein ein. Nietzsche war der Kritiker der traditionellen Moral, forderte die Entlarvung der Selbsttäuschung und wurde zu einem der Wortführer des europäischen Nihilismus. Seit 1882 verkündete er als seine philosophische Grundüberzeugung die " Umwertung der Werte ". Die " Sklavenmoral " des Christentums stellt er die " Herrenmoral ", dem Jenseitsglauben die Bejahung des Diesseits sowie das Ziel der Überwindung des Menschen auf den " Übermenschen " entgegen.



Das Brevier ist untergliedert in: " Große Erkenntnis ", " Tätiges Bewähren ", " Vom reichen Erleben ", " Um Frauen Liebe und Ehe ", " Die Kunst und ihre Quellen ", " Ewige Gegenwart ", " Ein Selbstbildnis ", " Das trunkene Lied " und " Nach neuen Meeren ".



Für Nietzsche ist das Leben ein hundertfältiger Versuch und das Misslingen und Gelingen ein Beweis.



Der großen Liebe sind nach seiner Vorstellung nur starke, runde und sichere Geister fähig, die fest auf sich selber sitzen. Ich glaube, damit hat er ebenso Recht, wie mit der Erkenntnis, das, was aus Liebe geschieht sich stets jenseits von Gut und Böse ereignet.



Ich teile weiter mit Nietzsche die Meinung, dass ein vorbildliches Leben aus Liebe und Demut besteht, in der Herzensfülle, welche auch den niedrigsten nicht ausschließt; in der förmlichen Verzichtleistung auf das Rechtbehaltenwollen, auf Verteidigung, auf Sieg im Sinne von persönlichem Triumph; im Glauben an die Seligkeit hier auf Erden, trotz Not, Widerstand und Tod; in der Versöhnung, in Abwesenheit des Zornes, in der Verachtung.



Nietzsche weiß, dass unsere Mängel unsere besten Lehrer sind und denken letztlich geduldig sein heißt und warten.



Seine liebevolle Seele äußert sich in vielen Gedanken, vielleicht jedoch am meisten in folgender Sentenz: " Das beste Mittel jeden Tag gut zu beginnen, ist: beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tag eine Freude machen kann."



Dieser feinfühlige Mann weiß, dass man lieben und gütig sein lernen muss und dies von Jugend auf. Er ist allerdings davon überzeugt, dass, sofern Erziehung und Zufall uns keine Gelegenheit zur Übung dieser Empfindungen geben, unsere Seele trocken und selbst zu einem Verständnis jener zarten Empfindungen liebevoller Menschen ungeeignet wird.



Nietzsche war ein Mensch, der zu tiefen Liebesgefühlen fähig war.

Meines Erachtens sagen seine Gedanken zum Thema Frauen, Liebe und Ehe viel über diesen Menschen aus.



Seine Analyse im Hinblick auf Frauen erschrecken mitunter, aber ich muss ihm letztlich Recht geben. Die meisten Frauen handeln leider entsprechend seiner Analyse. Seine Beobachtungen decken sich mit meinen hundertprozentig.



Ich halte Nietzsche allerdings nicht für einen " Weiberfeind ", sondern einfach nur für einen Realisten. Nietzsche schätzt kluge Frauen und empfiehlt seinen Geschlechtsgenossen beim Eingehen einer Ehe die Frage zu stellen: " Glaubst du, dich mit dieser Frau bis ins Alter hinein gut zu unterhalten? Alles andere in der Ehe ist transitorisch, aber die meiste Zeit des Verkehrs gehört dem Gespräche an."



Nietzsche denkt viel über Kultur und Kunst nach und weiß, dass Kultur nur aus dem Leben hervor wachsen und erblühen kann.

Dieser Philosoph ist ein äußerst eigenwilliger Denker, der sein Umfeld intensiv beobachtet hat, deshalb auch weiß er, dass ein Mensch sich unwillkürlich vornehm verhält, wenn er sich gewöhnt hat, von den Menschen nichts zu wollen und ihnen immer zu geben.



Nietzsche scheint einer dieser gebenden, vornehmen Menschen gewesen zu sein.



Am Ende des Breviers finden sich einige Gedichte Nietzsches, an denen Liebhaber von Lyrik sicher Freude finden.



Hier verdeutlicht in welcher Weise Nietzsche sich intellektuell mit der Welt auseinandersetzt und macht neugierig darauf seine philosophischen Texte.



Mich hat er durch seine Sentenzen für sich eingenommen, weil er damit dokumentiert, dass er sich vor Selbsttäuschungen jedweder Art hütet. Endlich mal ein uneitler Mensch!

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